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Das Passiv im Englischen: wann und warum man es verwendet

Wie das Passiv gebildet wird und vor allem, wann es angemessen ist und wann es ein Stilfehler ist.

Das Passiv hat einen schlechten Ruf, vor allem wegen der Schreibtipps, die sich an Menschen mit Englisch als Muttersprache richten. In der Praxis ist es im Business-Englisch, in technischen und in akademischen Texten unverzichtbar – wenn man es mit Bedacht einsetzt. Auch das Deutsche hat ein Passiv („Der Bericht wurde vom Team geschrieben“), die Bildung ist Ihnen also vertraut. Drei Dinge unterscheiden sich aber: Das Englische bildet das Passiv mit be, nicht mit „werden“; es macht auch die Person, die etwas bekommt, zum Subjekt („I was told“ statt „Mir wurde gesagt“); und wo das Deutsche „man“ sagt („Hier spricht man Englisch“), steht im Englischen oft das Passiv.

Wie es gebildet wird

be (in der gewünschten Zeitform) + Partizip Perfekt.

Aktiv Passiv
The team wrote the report. The report was written by the team.
They are testing the system. The system is being tested.
Someone has stolen my bag. My bag has been stolen.
They will announce it. It will be announced.
We must check it. It must be checked.

Nur die Zeitform von be ändert sich; das Partizip bleibt gleich.

Hier liegt die erste Falle für Deutschsprachige: Das deutsche „werden“ ist nicht become, aber der Reflex, „werden“ mit become zu übersetzen, führt zu The report became written. Das englische Passiv nimmt immer be: The report was written.

Nicht-finite Formen

Das Passiv steht auch nach to und nach Präpositionen – und genau dort schleicht es sich in alltägliche Sätze ein:

  • This needs to be done today.
  • She hates being interrupted.
  • The report should have been sent on Friday.

Wann das Passiv angemessen ist

1. Wer handelt, ist unbekannt oder unwichtig

  • My bag was stolen. (man weiß nicht, von wem)
  • The road was resurfaced last week. (egal, wer es getan hat)

2. Das Ergebnis zählt mehr als die handelnde Person

  • The vaccine was developed in under a year.

3. Beschreibung von Abläufen und Verfahren

  • The samples are heated to 90°C, then left to cool.

4. Taktgefühl: Schuldige nicht nennen

  • Mistakes were made. (statt „Sie haben Fehler gemacht“)
  • The deadline was missed.

Dieser letzte Punkt ist in der beruflichen Kommunikation besonders wertvoll, wo es manchmal kontraproduktiv ist, die verantwortliche Person zu nennen.

5. Das Thema am Satzanfang halten

Das Englische setzt gern das schon Bekannte an den Anfang. Wenn der Absatz von einem Vorschlag handelt, bleibt the proposal besser das Subjekt:

We spent three weeks on the proposal. It was rejected the following Monday.

Die Variante The board rejected it würde ein neues Element an die Subjektstelle setzen und den roten Faden unterbrechen.

Verben mit zwei Objekten

Bei Verben wie give, send, offer, tell, pay gibt es zwei mögliche Passivsätze, und das Englische bevorzugt klar den, der mit der Person beginnt:

  • They gave me a refund. → ✅ I was given a refund. (natürlich)
  • → 🚫 A refund was given to me. (richtig, aber gestelzt)

Das ist ein wichtiger Unterschied zum Deutschen: Dort bleibt die Person im Dativ („Mir wurde eine Rückerstattung gegeben“, „Ihm wurde gesagt …“). Im Englischen wird sie zum Subjekt: I was given…, He was told…. Wörtlich übertragen entstehen Sätze wie ❌ Me was told oder ❌ To me was said.

Das Passiv mit get

In der gesprochenen Sprache ersetzt get oft be – normalerweise, wenn es um etwas Plötzliches, Unerwünschtes oder Zufälliges geht.

  • He got fired. · My phone got broken. · We got stopped at the border.

Das ist eine umgangssprachliche Variante: In einem schriftlichen Text bleiben Sie bei be.

Das unpersönliche Passiv

Im akademischen und journalistischen Englisch gibt man so eine Behauptung weiter, ohne sie sich zu eigen zu machen:

  • It is said that the company is in trouble.
  • The company is said to be in trouble.
  • He is thought to have left the country.

Beide Muster funktionieren mit say, think, believe, report, know, expect. Das deutsche „man sagt, dass“ entspricht it is said that, aber nicht one says: One klingt im Englischen steif, während „man“ im Deutschen alltäglich ist. Dem zweiten Muster entspricht „Die Firma soll in Schwierigkeiten sein“.

Wann man das Passiv besser vermeidet

Wenn die handelnde Person wichtig ist, ist das Aktiv kürzer und klarer:

  • ❌ A decision was reached by the committee.
  • ✅ The committee reached a decision.

Die eigentliche Frage ist nicht „Passiv oder Aktiv“, sondern „wovon soll dieser Satz handeln?“. Stellen Sie das an die Subjektstelle, und die Form entscheidet sich von selbst.

Die handelnde Person angeben: by

Fügen Sie by nur hinzu, wenn es sich wirklich lohnt, die handelnde Person zu nennen.

  • The proposal was rejected by the board. (wichtig)
  • The window was broken by someone. (ohne Interesse – „The window was broken“ genügt)

Ein häufiger Fehler: „be“ weglassen

  • ❌ The report written last week.
  • ✅ The report was written last week.

Prüfen Sie, was Sie gelesen haben

Der folgende Test prüft sowohl die Form als auch, was schwieriger ist, das Verständnis dafür, wann das Passiv angemessen ist.

Testen Sie Ihr Wissen: Test: das Passiv →