Das englische Alphabet: Buchstaben und Laute
Englisch lesen von Grund auf: 26 Buchstaben, rund 44 Laute – und warum englische Wörter fast nie so gesprochen werden, wie Sie es vom Deutschen gewohnt sind.
Englisch lesen beginnt mit einer schlechten Nachricht: Es gibt 26 Buchstaben, aber rund 44 Laute. Derselbe Buchstabe muss also für mehrere verschiedene Laute stehen, und nur die Nachbarbuchstaben verraten, welcher gemeint ist. Das ist kein Chaos. Es sind einige Regeln, und sie passen in sechs kurze Lektionen. Der Einstieg fällt Ihnen leichter, als Sie vielleicht denken: Das lateinische Alphabet kennen Sie schon, und die meisten Konsonanten klingen vertraut. Die Falle liegt woanders. Das Deutsche wird weitgehend so gesprochen, wie es geschrieben wird – das Englische nicht. Wer Deutsch gewohnt ist, liest englische Wörter deshalb leicht Buchstabe für Buchstabe und liegt damit oft daneben.
Der Name des Buchstabens und sein Laut sind zwei verschiedene Dinge
Der Buchstabe A heißt [eɪ]. Im Wort cat klingt er aber [æ], in car klingt er [ɑː], und in name ist er wieder [eɪ].
Der Name des Buchstabens dient dem Buchstabieren eines Wortes. Innerhalb eines Wortes arbeitet der Laut. Wer beides verwechselt, liest name wie das deutsche Wort „Name“ [ˈnaːmə] – zweisilbig, mit hörbarem e am Ende –, statt der drei Laute, die das englische Wort tatsächlich hat: [n], [eɪ], [m].
Das Alphabet
| Buchstaben | Name |
|---|---|
| A B C D E F G | [eɪ] [biː] [siː] [diː] [iː] [ef] [dʒiː] |
| H I J K L M N | [eɪtʃ] [aɪ] [dʒeɪ] [keɪ] [el] [em] [en] |
| O P Q R S T U | [əʊ] [piː] [kjuː] [ɑː] [es] [tiː] [juː] |
| V W X Y Z | [viː] [ˈdʌbljuː] [eks] [waɪ] [zed] |
Der letzte Buchstabe heißt in den USA [ziː] und im Vereinigten Königreich [zed]. Beide Formen sind richtig.
Die englischen Buchstabennamen sind nicht die deutschen. Vergleichen Sie, wo es am häufigsten schiefgeht:
| Buchstabe | Deutscher Name | Englischer Name |
|---|---|---|
| A | [aː] | [eɪ] |
| E | [eː] | [iː] |
| G | [geː] | [dʒiː] |
| H | [haː] | [eɪtʃ] |
| I | [iː] | [aɪ] |
| J | [jɔt] | [dʒeɪ] |
| K | [kaː] | [keɪ] |
| Q | [kuː] | [kjuː] |
| R | [ɛʁ] | [ɑː] |
| U | [uː] | [juː] |
| W | [veː] | [ˈdʌbljuː] |
| Y | [ˈʏpsilɔn] | [waɪ] |
Besonders tückisch: Das englische E klingt wie das deutsche I, und das englische I klingt wie das deutsche „ei“ in „mein“. Das J heißt [dʒeɪ], nicht „Jot“, und das G heißt [dʒiː], nicht „Ge“. Das W heißt „double-u“, das Y [waɪ]. Wer am Telefon auf Englisch buchstabiert und dabei deutsche Buchstabennamen benutzt, wird nicht verstanden – üben Sie das Alphabet deshalb einmal laut.
Sechs Vokalbuchstaben, rund zwanzig Vokallaute
Die Vokalbuchstaben des Englischen sind A, E, I, O, U und manchmal Y: sechs Buchstaben. Dahinter stehen aber fast zwanzig verschiedene Vokallaute. Das ist der schwierigste Teil des Lesens im Englischen. Das Deutsche kennt zwar auch mehr Vokallaute als Vokalbuchstaben und unterscheidet lange und kurze Vokale („Miete“ [ˈmiːtə] und „Mitte“ [ˈmɪtə]), doch dort verrät die Schreibung die Aussprache viel zuverlässiger. Einige englische Vokale gibt es im Deutschen außerdem gar nicht, etwa [æ] und [ʌ].
Die Konsonanten sind deutlich stabiler: b ist fast immer [b], m fast immer [m]. Deshalb geht es in den nächsten Lektionen viel um Vokale und weniger um Konsonanten – mit einer Ausnahme: Einige Konsonantenbuchstaben (v, w, z, j) klingen im Englischen anders als im Deutschen. Darum kümmert sich die Lektion über Konsonanten.
Wozu die Lautschrift dient
Die Lautschrift steht in eckigen Klammern: cat [kæt]. Jedes Symbol steht für genau einen Laut, ohne Ausnahme. Nur so lässt sich festhalten, wie ein Wort klingt, ohne von seiner Schreibung abzuhängen.
Der Doppelpunkt zeigt an, dass ein Laut lang ist: [iː] ist lang, [ɪ] ist kurz. Das ist kein Zierrat: Der Unterschied verändert die Bedeutung des Wortes.
| Kurz | Lang |
|---|---|
| ship [ʃɪp] – Schiff | sheep [ʃiːp] – Schaf |
| live [lɪv] – leben | leave [liːv] – verlassen, abreisen |
| full [fʊl] – voll | fool [fuːl] – Dummkopf |
| sit [sɪt] – sitzen | seat [siːt] – Sitz, Platz |
Diese Unterscheidung ist Ihnen vertraut: Auch im Deutschen ändern lange und kurze Vokale die Bedeutung („Miete“ – „Mitte“, „Staat“ – „Stadt“). Sie hören den Unterschied also grundsätzlich schon. Neu ist nur, dass die englische Schreibung kaum verrät, ob ein Vokal lang oder kurz ist. Dazu später mehr.
Laute, die Sie schon aus dem Deutschen kennen
Ein Teil der englischen Laute ist bereits vorhanden – das spart Zeit.
| Laut | Beispiel | Entsprechung im Deutschen |
|---|---|---|
| [ʃ] | she | das sch in „schön“ |
| [tʃ] | chair | das tsch in „Deutsch“ |
| [h] | hat | das h in „Hut“ |
| [k] | cat | das k in „Katze“ |
| [n] | no | das n in „nein“ |
| [ɪ] | sit | das kurze i in „Sitz“ |
| [aɪ] | my | das ei in „mein“ |
| [aʊ] | now | das au in „Haus“ |
Nutzen Sie das: Bei diesen Lauten gibt es nichts Neues zu lernen, nur eine andere Schreibung für einen bekannten Laut.
Laute, die es im Deutschen nicht gibt
| Laut | Beispiel | Worauf es ankommt |
|---|---|---|
| [θ] | think | Zungenspitze zwischen den Zähnen, ohne Stimme |
| [ð] | this | dieselbe Zungenstellung, aber mit Stimme |
| [w] | we | Lippen gerundet, keine Berührung zwischen Zähnen und Lippe; nicht [v] wie in „Wasser“ |
| [æ] | cat | ein offener Vokal zwischen [ɛ] wie in „Bett“ und [a] wie in „Hand“ |
| [ʌ] | cup | ein kurzer, offener Vokal, der weder [ʊ] wie in „Bus“ noch [a] wie in „Hand“ ist |
Wer Deutsch spricht, ersetzt [θ] und [ð] meist durch [s] und [z] oder durch [t] und [d]. Das ist verständlich, fällt aber sofort auf: think (denken) und sink (sinken) sind verschiedene Wörter, ebenso thank und tank. Auch [w] wird leicht zu [v]: wine [waɪn] (Wein) und vine [vaɪn] (Weinrebe) sind nicht dasselbe, und west und vest (Weste) auch nicht. Wer diese Laute schon bei den ersten zehn Wörtern übt, braucht dafür eine Minute; sie später abzugewöhnen dauert Jahre.
Man liest die Silbe, nicht den Buchstaben
Das ist der Kerngedanke von allem Bisherigen: Um ein englisches Wort zu lesen, müssen Sie auf die ganze Silbe achten, also auf den Vokal und das, was unmittelbar danach kommt.
Vergleichen Sie hat und hate. Der Buchstabe a ist derselbe, der Laut ein anderer, weil im zweiten Wort nach dem Konsonanten ein e steht. Genau das verändert die Aussprache. Im Deutschen ist es umgekehrt: Das e am Wortende wird gesprochen („Name“ [ˈnaːmə]) und verändert den Vokal davor nicht.
Versuchen Sie nicht, Wörter wie Bilder auswendig zu lernen. Die Schreibweise jedes Wortes zu merken, ist die Idee, auf die fast jeder zuerst kommt, aber sie führt in eine Sackgasse: Es gibt Zehntausende Wörter und nur sechs Lektionen mit Leseregeln. Die Regeln decken etwa 80 % der englischen Wörter ab; der Rest wird einzeln gelernt, und er ist gar nicht so groß. Beginnen Sie lieber mit der Regel und sammeln Sie die Ausnahmen unterwegs ein.
Testen Sie, was Sie gelesen haben
Der Test unten geht die Buchstabennamen, die Länge der Vokale und die Laute durch, die es im Deutschen nicht gibt.