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Wortendungen und Betonung im Englischen: Leseregeln

Wie -s, -ed, -ing, -tion und -le am Wortende gelesen werden, wo die Betonung liegt und warum unbetonte Vokale zu einem schwachen [ə] werden.

Die Silbenregeln funktionieren bei kurzen Wörtern gut. Sobald eine Endung und damit eine zweite Silbe hinzukommt, tritt eine weitere Schicht dazu: Das Wortende folgt einer eigenen Regel, und der unbetonte Vokal verliert fast seinen ursprünglichen Klang. Für Deutsch Sprechende gibt es drei Gewohnheiten, die man anpassen muss: Stimmhafte Laute am Wortende, die das Deutsche so nicht kennt; geschriebene Endungen, die im Englischen keine eigene Silbe bilden; und eine Betonung, die bei Wörtern lateinischer oder französischer Herkunft anders liegt als beim deutschen Gegenstück.

Die Endung -s: drei Lesungen

Das Plural-s und das s der dritten Person (he works) werden auf drei Arten gesprochen, je nachdem, welcher Laut direkt davorsteht. Im Deutschen gibt es ein Plural-s nur bei wenigen Wörtern („Autos“, „Kinos“), und es klingt dort immer [s].

Laut Nach welchem Laut Beispiele
[s] stimmlose Laute: p, t, k, f cats, books, maps, stops
[z] stimmhafte Laute und Vokale dogs, boys, friends, plays
[ɪz] nach s, z, sh, ch, x, ge boxes, watches, dishes, pages

Das ist keine Liste zum Auswendiglernen: Die Regel beschreibt, was sich leicht sprechen lässt. Nach einem stimmhaften Laut spricht sich auch das -s leichter mit Stimme.

Hier lauert die Auslautverhärtung: Im Deutschen werden stimmhafte Laute am Wortende stimmlos („Hund“ [hʊnt], „Rad“ [ʁaːt], „Tag“ [taːk]). Überträgt man das aufs Englische, spricht man dogs mit [s], und es klingt wie docks. Im Englischen entscheidet gerade dieser Unterschied über die Bedeutung: dog und dock, bad und bat sind verschiedene Wörter. Das stimmhafte [z] kennen Sie aus „Sonne“ und „lesen“; es muss nur ans Wortende wandern.

Die Endung -ed: drei weitere Lesungen

Laut Nach welchem Laut Beispiele
[t] stimmlose Laute worked, stopped, watched, asked
[d] stimmhafte Laute und Vokale played, lived, opened, called
[ɪd] nur nach t und d wanted, needed, started, decided

Der häufigste Fehler am Anfang ist, -ed in jedem Fall als zusätzliche Silbe zu lesen. Im Deutschen bildet eine geschriebene Endung wie -et oder -en fast immer eine eigene Silbe („arbeitet“, „machen“), und diese Erwartung überträgt sich leicht. worked ist ein einsilbiges Wort: [wɜːkt]. Die zusätzliche Silbe entsteht nur nach t und d. Und in played [pleɪd] gehört am Ende ein [d], kein [t] – dieselbe Auslautverhärtung wie bei dogs.

-ing

Es wird immer [ɪŋ] gelesen: reading, going, working, morning. Der Nasal am Ende ist derselbe wie in „Zeitung“, „lang“ und „singen“ – ohne [g] dahinter. Der Vokal ist ein kurzes [ɪ], kein langes [iː].

-tion und -sion

Endung Laut Beispiele
-tion [ʃn] station [ˈsteɪʃn], nation [ˈneɪʃn], information [ˌɪnfəˈmeɪʃn]
-sion [ʒn] / [ʃn] decision [dɪˈsɪʒn], television [ˈtelɪvɪʒn], discussion [dɪˈskʌʃn]

Das deutsche „-tion“ spricht man [tsi̯oːn] („Nation“ [naˈtsi̯oːn]); das Englische verkürzt die Endung zu [ʃn]. Das [ʒ] in -sion kennen Sie aus „Garage“ und „Journal“. Dazu kommt die Betonung: Im Deutschen trägt die Endung -tion selbst den Akzent („Nation“, „Station“, „Information“). Im Englischen liegt der Akzent immer auf der Silbe vor der Endung: nation [ˈneɪʃn], information [ˌɪnfəˈmeɪʃn]. Dasselbe Wort mit fast gleicher Schreibung, aber anderer Aussprache.

-le

Am Wortende, nach einem Konsonanten, ergibt -le ein kaum hörbares [l]: table [ˈteɪbl], little [ˈlɪtl], apple [ˈæpl], people [ˈpiːpl]. Das klingt ähnlich wie das -el in „Tafel“ oder „Gabel“, wo vor dem l kein deutlicher Vokal gesprochen wird.

Hier ist das e wieder ein stummer Buchstabe und zugleich ein Schalter: In table ist die erste Silbe offen, daher klingt sie [eɪ]; in little schließt das doppelte t sie, daher klingt sie [ɪ].

Das -y am Wortende

  • am Ende eines zweisilbigen Wortes — [i]: happy, city, sunny, family
  • am Ende eines kurzen Wortes — [aɪ]: my, by, try, fly

Im Deutschen steht y in „Gymnasium“ oder „Typ“ für [y] (ü). Im Englischen kommt dieser Laut nie vor.

Betonung und der Laut [ə]

In einem englischen Wort gibt es nur eine Hauptbetonung, und sie ist deutlich zu hören. Alle anderen Vokale werden abgeschwächt, bis sie zu [ə] werden: ein kurzer, schwacher Laut.

Dieses [ə] kennen Sie aus dem Deutschen, aber dort steht es fast nur für das Schreib-e am Wortende und in Endungen („Banane“ [baˈnaːnə], „Lehrer“ [ˈleːʁɐ], „bekommen“). Im Englischen kann jeder Vokalbuchstabe zu [ə] werden – a, e, o, u:

Wort Transkription Was mit dem Vokal passiert ist
teacher [ˈtiːtʃə] das er am Ende → [ə]
about [əˈbaʊt] das a am Anfang → [ə]
problem [ˈprɒbləm] das e in der zweiten Silbe → [ə]
banana [bəˈnɑːnə] zwei der drei a → [ə]

Das Zeichen ˈ steht in der Transkription vor der betonten Silbe. Das ist der einzig sichere Weg, die Betonung zu erkennen: Das Englische hat kaum geschriebene Regeln, die sie vorhersagen.

Betonung im Vergleich mit dem Deutschen

Ein Stück weit hilft das Deutsche: Bei Wörtern germanischer Herkunft und bei Zusammensetzungen liegt der Akzent meist auf dem ersten Teil, genau wie im Deutschen: teacher – „Lehrer“, mother – „Mutter“, homework – „Hausaufgabe“, classroom – „Klassenzimmer“. Im Englischen sind solche Zusammensetzungen oft getrennt geschrieben, werden aber ebenso betont: bus stop [ˈbʌs stɒp], post office [ˈpəʊst ɒfɪs].

Anders ist es bei Wörtern, die das Deutsche aus dem Lateinischen oder Französischen übernommen hat. Dort liegt der Akzent im Deutschen oft weiter hinten, im Englischen weiter vorn oder an einer anderen Stelle:

Deutsch (Akzent) Englisch
„Musik“ (hinten) music [ˈmjuːzɪk]
„Familie“ (zweite Silbe) family [ˈfæməli]
„Universität“ (hinten) university [ˌjuːnɪˈvɜːsəti]
„Fotograf“ (hinten) photographer [fəˈtɒɡrəfə]

Und schließlich wandert die Betonung im Englischen bei manchen Wortpaaren mit der Wortart: Das Nomen wird auf der ersten, das Verb auf der zweiten Silbe betont.

Wort Nomen Verb
record [ˈrekɔːd] [rɪˈkɔːd]
present [ˈpreznt] [prɪˈzent]
import [ˈɪmpɔːt] [ɪmˈpɔːt]
increase [ˈɪŋkriːs] [ɪnˈkriːs]

Auch bei verwandten Wörtern verschiebt sich der Akzent, und mit ihm ändern sich die Vokale: photograph [ˈfəʊtəɡrɑːf], aber photographer [fəˈtɒɡrəfə]. Deshalb lohnt es sich, bei jedem neuen Wort die Betonung mitzulernen.

Alle Vokale gleich deutlich zu sprechen, ist der Fehler, den man am deutlichsten hört. Das Deutsche bewahrt auch in unbetonten Silben klare Vokale, mit Ausnahme des e: „Banane“ behält sein erstes a deutlich, und ein geschriebenes o oder u wird in „Hotel“ oder „Auto“ voll gesprochen. Deshalb wirkt das englische Muster so fremd: In banana verschwinden zwei der drei a in einem schwachen Laut. Außerdem verleitet die Schreibung dazu, jeden Buchstaben so deutlich zu sprechen, wie man ihn sieht, und comfortable klingt dann mit vier vollen Silben statt der gesprochenen drei, [ˈkʌmftəbl]. Suchen Sie die betonte Silbe und lassen Sie den Rest verblassen – so klingt es im Mund von Menschen mit Englisch als Muttersprache.

Testen Sie, was Sie gelesen haben

Der Test unten prüft die drei Lesungen von -s und -ed, die Wortendungen und die Lage der Betonung.

Testen Sie Ihr Wissen: Test: Wortendungen und Betonung im Englischen →