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Natürliche Wortverbindungen: warum korrektes Englisch trotzdem falsch klingen kann

Feste Wortverbindungen, die Menschen mit Englisch als Muttersprache ohne Nachdenken benutzen – und warum grammatisch einwandfreies Englisch trotzdem „fast richtig“ klingen kann.

Auf höheren Niveaus sind Fehler nicht mehr grammatisch. I did a mistake ist vollkommen logisch und verletzt keine gelernte Regel, und doch würde es kein Mensch mit Englisch als Muttersprache so sagen. Der Grund ist die Wortverbindung: Welche Wörter gehören aus Gewohnheit zusammen?

Was Wortverbindungen sind

Eine Wortverbindung ist eine Kombination, die die Sprache durch Gebrauch festgelegt hat, nicht durch Logik. Das klassische Beispiel sind make und do:

make do
make a mistake do homework
make a decision do business
make progress do research
make an effort do damage
make an appointment do the dishes

Das lässt sich aus keiner Regel ableiten. Diese Verbindungen lernt man als Ganzes. Für Deutsch sprechende Menschen liegt die Falle darin, dass „machen“ zugleich make, do und oft auch take abdeckt: „einen Fehler machen“ (make), „Hausaufgaben machen“ und „den Abwasch machen“ (do), „ein Foto machen“ (take) – daher do a mistake oder make homework.

Wo das Deutsche ein anderes Verb wählt

Das Deutsche hat eigene feste Verbindungen. Wer sie wörtlich überträgt, erzeugt Sätze, die grammatisch stimmen und doch falsch klingen:

Deutsch Wörtlich (falsch) Englisch
einen Vortrag halten hold a presentation give a presentation
ein Foto machen make a photo take a photo
eine Prüfung machen make an exam take an exam
eine Pause machen make a break take a break
eine Frist einhalten keep a deadline meet a deadline
Aufmerksamkeit schenken give attention pay attention
starker Regen / Verkehr strong rain / traffic heavy rain / traffic

Warum das mehr zählt als die Größe des Wortschatzes

Wer auf Niveau C2 make research sagt, hat einen großen Wortschatz und eine tadellose Grammatik, aber dieser Satz verrät ihn sofort als jemanden ohne Englisch als Muttersprache. Fehler bei Wortverbindungen verschwinden zuletzt und werden am meisten bemerkt, wenn sie bleiben.

Welche Formen sie haben können

Das Muster zu erkennen hilft, Wortverbindungen beim Lesen aufzuspüren:

Muster Beispiel
Verb + Nomen reach an agreement, pose a threat
Adjektiv + Nomen heavy rain, strong accent, deep sleep
Adverb + Adjektiv bitterly disappointed, highly unlikely
Verb + Adverb strongly recommend, flatly refuse
Nomen + Nomen a round of applause, a pack of cards
Verb + Präposition depend on, result in, account for

Achten Sie besonders auf die Spalte der Adjektive: Der Regen ist heavy, der Verkehr ist heavy, ein Raucher ist heavy – im Deutschen sagt man dafür jeweils „stark“. Strong steht dagegen bei Kaffee, Akzent und Wind. Wer viel isst, ist a big eater (wörtlich „ein großer Esser“, hier stimmt das Deutsche). Es gibt nichts abzuleiten: Die Verbindung ist einfach fest.

Starke und schwache Verbindungen

Nicht alle Wortverbindungen sind gleich starr, und das zu verstehen zeigt, wo das Risiko liegt:

  • Feste – sie lassen keinen Austausch zu: shrug your shoulders, blink your eyes. Jedes andere Wort wäre ein Fehler.
  • Starke – eine oder zwei Varianten sind möglich: commit a crime, meet a deadline.
  • Schwache – viele Varianten sind möglich: a good / long / difficult day.

Die Fehler häufen sich bei den starken: Die schwachen lassen fast alles zu, und die festen haben Sie vermutlich schon als Ganzes gelernt.

Die nützlichsten Gruppen

Mit „take“: take responsibility, take a risk, take advantage of, take place, take into account

Mit „give“: give a presentation, give advice, give someone a hand, give priority to

Mit „pay“: pay attention, pay a compliment, pay a visit, pay tribute to

Mit „meet“: meet a deadline, meet requirements, meet expectations, meet a demand

Mit „raise“: raise concerns, raise awareness, raise a question, raise standards

Die Paare „Adverb + Adjektiv“

Sie sind besonders aufschlussreich:

  • deeply concerned / highly unlikely / bitterly disappointed
  • utterly ridiculous / acutely aware / widely regarded

Das Deutsche stimmt hier teilweise überein („bitter enttäuscht“, „tief besorgt“, „höchst unwahrscheinlich“), was dazu verleitet, die Paare für beliebig austauschbar zu halten. Das sind sie nicht: highly disappointed und deeply unlikely klingen falsch, obwohl die Grammatik stimmt.

Starke Verben mit abstrakten Nomen

Das formelle Englisch legt für bestimmte Nomen bestimmte Verben fest:

  • conduct an investigation (nicht „make“; im Deutschen „eine Untersuchung durchführen“)
  • draw a conclusion (nicht „make“; im Deutschen „einen Schluss ziehen“)
  • pose a threat / a question (pose a question gibt es in gehobenem Stil, gewöhnlich sagt man ask a question)
  • reach an agreement
  • implement a policy
  • address an issue

Die leeren Verben

Ein riesiger Teil des Alltagsenglisch besteht aus einem fast bedeutungsleeren Verb plus einem Nomen, wo andere Sprachen mit einem einzigen Verb auskämen. Das Verb trägt kaum etwas bei; was man wissen muss, ist gerade die Verbindung.

have a look, have a rest, have a go

take a photo, take a break, take a seat

give a smile, give a sigh, give someone a call

make a start, make a fuss, make a change

Manche verteilen sich nach der Sprachvariante: britisch have a shower / have a bath, amerikanisch take a shower / take a bath. Beide sind richtig; das deutsche „ein Bad nehmen“ entspricht dem amerikanischen take a bath. Seltsam wirkt es, beide in einem Text zu mischen.

Die Falle ist, dass nichts falsch aussieht. Ein Grammatikfehler verrät sich selbst: Man kann die Regel nachschlagen. Ein Fehler bei einer Wortverbindung ergibt einen Satz, der völlig sicher wirkt, und nur Menschen mit Englisch als Muttersprache spüren den Fehler. Deshalb sammelt man so etwas in der lebendigen Sprache und leitet es nicht durch Nachdenken ab – und deshalb halten sich diese Fehler auf Niveau C2 so lange.

Wie man sie lernt

Lernen Sie keine Listen einzelner Wörter: Notieren Sie ganze Verbindungen. Wenn Sie ein neues Nomen treffen, notieren Sie das Verb, mit dem es vorkam. Deadline allein nützt viel weniger als meet a deadline / miss a deadline / tight deadline.

Viel zu lesen leistet diese Arbeit automatisch: Deshalb zählt auf diesem Niveau umfangreiches Lesen mehr als Wortschatzübungen.

Prüfen Sie, was Sie gelernt haben

Im folgenden Test gibt es Paare, bei denen die falsche Variante grammatisch einwandfrei ist, im Englischen aber schlicht nicht so gesagt wird.

Testen Sie Ihr Wissen: Test: natürliche Wortverbindungen →